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Dekubitus – Vorbeugung, erste Anzeichen und Hautpflege

Dekubitus – Vorbeugung, erste Anzeichen und Hautpflege

Ein Dekubitus (auch Druckgeschwür oder Druckulcus) gehört zu den häufigsten und zugleich vermeidbaren Komplikationen in der Pflege älterer Menschen. Er entsteht, wenn Gewebe über längere Zeit einem erhöhten Druck ausgesetzt wird und dadurch nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Besonders gefährdet sind Personen, die sich nur wenig oder gar nicht selbstständig bewegen können – etwa nach einer Operation, bei fortgeschrittener Demenz, nach einem Schlaganfall oder bei schwerer allgemeiner Schwäche. Ein Dekubitus ist nicht „nur“ eine Wunde: Er kann sehr schmerzhaft sein, Infektionen begünstigen, die Lebensqualität stark einschränken und zu längeren Behandlungszeiten führen. Umso wichtiger sind konsequente Vorbeugung, das frühzeitige Erkennen erster Anzeichen und eine hautschonende Pflege.

Was ist ein Dekubitus und wie entsteht er?

Ein Dekubitus entsteht, wenn an einer Körperstelle über längere Zeit Druck auf Haut und darunterliegendes Gewebe wirkt. Typischerweise passiert das an knöchernen Vorsprüngen, weil dort weniger schützendes Fett- und Muskelgewebe vorhanden ist. Der Druck kann von außen kommen (z. B. durch das Liegen auf einer Matratze, das Sitzen im Rollstuhl) oder durch medizinische Hilfsmittel (z. B. Schläuche, Masken, Orthesen). Neben dem reinen Druck spielen auch Scherkräfte (z. B. wenn eine Person im Bett nach unten rutscht und die Haut „mitgezogen“ wird) und Reibung (z. B. beim falschen Umlagern) eine große Rolle. Feuchtigkeit, etwa durch Schwitzen oder Inkontinenz, kann die Haut zusätzlich aufweichen und anfälliger machen.

Die Entwicklung verläuft häufig schleichend: Zunächst zeigen sich kleine Veränderungen, die leicht übersehen werden. Wird nicht gegengesteuert, kann aus einer oberflächlichen Hautschädigung ein tiefes Gewebegeschwür werden, das bis zum Muskel oder Knochen reicht. Das macht deutlich, warum Dekubitusprophylaxe und regelmäßige Hautkontrollen in der Pflege unverzichtbar sind.

Risikofaktoren: Wer ist besonders gefährdet?

Ein Dekubitus entsteht selten durch „einen einzigen Grund“. Meist kommen mehrere Faktoren zusammen. Als besonders relevant gelten:

  • Bewegungseinschränkung: Bettlägerigkeit, Rollstuhlpflicht, Lähmungen, stark eingeschränkte Mobilität.
  • Vermindertes Schmerz- oder Druckempfinden: z. B. bei Polyneuropathie (häufig bei Diabetes), nach Schlaganfall oder bei bestimmten Medikamenten.
  • Inkontinenz und Feuchtigkeit: Urin und Stuhl verändern den pH-Wert der Haut, fördern Mazeration und erhöhen das Infektionsrisiko.
  • Mangelernährung und Flüssigkeitsmangel: Eiweiß- und Kalorienmangel reduzieren die Regenerationsfähigkeit der Haut, Dehydratation macht sie fragiler.
  • Untergewicht oder starkes Übergewicht: Untergewicht verringert „Polsterung“, Übergewicht erschwert Bewegungswechsel und erhöht Druckbelastung.
  • Durchblutungsstörungen: z. B. bei arterieller Verschlusskrankheit oder Herzschwäche.
  • Hohes Alter: Dünnere, weniger elastische Haut, langsamere Wundheilung, häufig mehrere Erkrankungen gleichzeitig.
  • Medizinische Geräte: Sauerstoffbrillen, Katheter, Schienen, Kompressionsverbände, Prothesen können lokalen Druck erzeugen.

Je mehr dieser Faktoren zusammenkommen, desto wichtiger ist ein strukturiertes Vorgehen: regelmäßige Risikoeinschätzung, klarer Lagerungsplan, passende Hilfsmittel und eine durchdachte Hautpflege.

Typische Stellen: Wo entsteht ein Dekubitus am häufigsten?

Die häufigsten Dekubitusstellen hängen von der Körperposition ab. Beim Liegen auf dem Rücken sind vor allem gefährdet:

  • Steißbein und Kreuzbein
  • Fersen
  • Hinterkopf (v. a. bei sehr dünnem Haar oder wenig Unterhautfett)
  • Schulterblätter

In Seitenlage betroffen sind oft:

  • Hüftknochen (Trochanter)
  • Außenknöchel
  • Knie (an den Kontaktflächen)
  • Ohren (bei sehr langer Seitenlagerung)

Bei sitzenden Personen stehen im Vordergrund:

  • Sitzbeinhöcker
  • Steißbein
  • Rücken (bei schlechter Positionierung)
  • Fersen (bei Fußstützen und fehlender Entlastung)

Zusätzlich gilt: Überall dort, wo Hilfsmittel Druck ausüben, kann sich ein geräteassoziierter Dekubitus bilden – etwa am Nasenrücken durch Masken, hinter den Ohren durch Schläuche oder an Stellen, an denen ein Katheter fixiert ist.

Erste Anzeichen: Dekubitus früh erkennen

Je früher Veränderungen auffallen, desto besser lässt sich ein Dekubitus verhindern oder in einem sehr frühen Stadium stoppen. Entscheidend ist die tägliche, systematische Hautbeobachtung – besonders an Risikostellen. Typische frühe Warnsignale sind:

  • Rötung, die nach Druckentlastung nicht innerhalb kurzer Zeit verschwindet (nicht wegdrückbar).
  • Überwärmung oder auch Unterkühlung der betroffenen Stelle im Vergleich zur Umgebung.
  • Schwellung oder Verhärtung (induriertes Gewebe).
  • Schmerzen, Brennen oder Juckreiz – sofern die Person dies äußern kann.
  • Veränderungen der Hautstruktur, wie Glanz, ungewöhnliche Trockenheit, kleine Bläschen oder oberflächliche Abschürfungen.

Bei Menschen mit dunklerer Hautfarbe ist eine Rötung manchmal schwer erkennbar. Dann sind Temperaturunterschiede, Verhärtungen, Schwellungen und Schmerzreaktionen besonders wichtige Hinweise. Auch eine „violette“ oder „bräunliche“ Verfärbung kann ein ernstes Zeichen sein, vor allem wenn sie nicht verschwindet.

Wann sollte ärztlich oder wundfachlich beurteilt werden?

Wenn eine Rötung trotz Entlastung bestehen bleibt, wenn die Haut offen ist, nässt oder übel riecht, oder wenn die betroffene Person Fieber, starke Schmerzen oder eine deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustands zeigt, sollte zeitnah ärztlicher Rat eingeholt werden. Ebenso wichtig ist die Einbindung einer Wundexpertin/eines Wundexperten, damit die Versorgung fachgerecht erfolgt und die Ursachen (Druck, Scherkräfte, Feuchtigkeit) konsequent reduziert werden.

Vorbeugung: Die wichtigsten Maßnahmen der Dekubitusprophylaxe

Dekubitusprophylaxe ist kein einzelner Handgriff, sondern ein Zusammenspiel aus Bewegung, Druckentlastung, richtigen Hilfsmitteln, Hautschutz sowie guter Ernährung und Flüssigkeitsversorgung. Zentral ist ein individueller Plan, der zur Person, ihrer Mobilität und ihren Risiken passt.

1) Mobilisation und Bewegungsförderung

Die wirksamste Prophylaxe ist Bewegung. Jede eigenständige Positionsänderung entlastet Gewebe und fördert die Durchblutung. In der Praxis bedeutet das:

  • So viel Eigenbewegung ermöglichen wie möglich: Aufsetzen, kurze Transfers, Stehtraining, kleine Gehstrecken.
  • Bewegungsimpulse setzen: Anreichen von Gegenständen, aktives Mithelfen beim Umlagern.
  • Im Sitzen häufige Gewichtsverlagerung anleiten (wenn möglich), z. B. alle 15–30 Minuten kurz entlasten.

Bei Personen, die nicht eigenständig mobilisieren können, kommt der unterstützten Lagerung und dem fachgerechten Transfer eine Schlüsselrolle zu.

2) Lagerung und Druckentlastung

Regelmäßige Positionswechsel reduzieren den Druck auf gefährdete Stellen. Wie häufig gelagert werden sollte, hängt vom Risiko, dem Hautzustand, der Matratze und der individuellen Toleranz ab. Pauschale Zeiten sind weniger hilfreich als eine konsequente Beobachtung: Bleiben Haut und Gewebe unauffällig, ist der Plan passend; zeigen sich Warnzeichen, muss intensiver entlastet werden.

Wichtige Grundsätze:

  • Druck verteilen statt punktuell erhöhen: Korrekte Lagerung mit geeigneten Kissen oder Lagerungshilfen.
  • Scherkräfte vermeiden: Nicht „nach oben ziehen“ oder über das Bettlaken rutschen lassen; besser mit Gleitmatten, Rutschbrettern oder mit zwei Pflegepersonen arbeiten.
  • Fersen freilagern bei hohem Risiko: Fersen sind besonders gefährdet, da die Haut dünn und die Durchblutung belastungsanfällig ist.
  • Sitzzeiten prüfen: Bei hohem Risiko können lange Sitzphasen ohne Entlastung kritisch sein, auch wenn die Person „nicht im Bett liegen möchte“.

3) Antidekubitus-Hilfsmittel richtig einsetzen

Hilfsmittel ersetzen keine Lagerung, können aber entscheidend unterstützen. Dazu gehören:

  • Druckverteilende Matratzen (z. B. Wechseldruck- oder Schaumstoffsysteme je nach Bedarf).
  • Sitzkissen für Rollstuhl oder Sessel, die den Druck auf die Sitzbeinhöcker reduzieren.
  • Fersenentlastungssysteme (spezielle Lagerungshilfen, die die Ferse frei halten).

Wichtig ist die korrekte Handhabung: Eine hochwertige Matratze nützt wenig, wenn die Person in einer ungünstigen Position liegt, wenn Falten im Laken Druckstellen verursachen oder wenn Hilfsmittel falsch platziert sind. Auch sollten Hilfsmittel regelmäßig geprüft werden (Luftdruck, Materialzustand, Passform).

4) Ernährung und Flüssigkeit – oft unterschätzt

Haut und Gewebe brauchen Energie, Eiweiß, Vitamine und ausreichend Flüssigkeit, um belastbar zu bleiben und kleine Schäden zu reparieren. In der Pflegepraxis ist es sinnvoll, frühzeitig auf Warnzeichen einer Mangelernährung zu achten: ungewollter Gewichtsverlust, geringe Essmengen, Appetitlosigkeit, Schluckstörungen oder häufige Infekte.

  • Eiweiß ist zentral für Gewebeaufbau und Wundheilung.
  • Flüssigkeit unterstützt Hautelastizität und Kreislauf, bei Dehydratation wird die Haut leichter verletzlich.
  • Mikronährstoffe (z. B. Zink, Vitamin C) können bei Mangelzuständen die Wundheilung beeinträchtigen.

Bei hohem Risiko oder bereits bestehenden Hautschäden sollte ärztlich oder ernährungsmedizinisch abgeklärt werden, ob Zusatznahrung oder eine gezielte Unterstützung sinnvoll ist.

5) Feuchtigkeitsmanagement bei Inkontinenz

Feuchtigkeit ist ein entscheidender Verstärker für Hautschäden. Bei Harn- und Stuhlinkontinenz sollte der Fokus auf einem konsequenten, hautschonenden Management liegen:

  • Inkontinenzmaterial bedarfsgerecht und regelmäßig wechseln.
  • Sanfte Reinigung nach Kontamination, ohne aggressives Rubbeln.
  • Hautschutzpräparate nutzen, die eine Barriere bilden (z. B. spezielle Schutzcremes oder -filme).
  • Atmungsaktive Materialien bevorzugen, um Hitzestau zu reduzieren.

Wichtig: „Mehr Creme“ ist nicht automatisch besser. Zu dick aufgetragene fettreiche Produkte können Feuchtigkeit einschließen und die Haut eher aufweichen. Daher ist die richtige Produktauswahl und sparsame Anwendung entscheidend.

Hautpflege: Schutz, Reinigung und richtige Produkte

Hautpflege bei Dekubitusgefährdung verfolgt drei Ziele: die Hautbarriere erhalten, Reizungen vermeiden und die Haut vor Feuchtigkeit und mechanischer Belastung schützen. Dabei gilt der Grundsatz: so viel wie nötig, so wenig wie möglich – und immer entsprechend dem Hautzustand.

Sanfte Reinigung

Ältere Haut ist häufig trocken und empfindlich. Zu häufiges Waschen mit heißem Wasser oder stark entfettenden Seifen kann die Schutzbarriere schwächen. Empfehlenswert sind:

  • Lauwarmes Wasser, kurze Waschzeiten.
  • Milde, pH-hautneutrale Waschprodukte oder waschaktive Lotionen.
  • Sorgfältiges, tupfendes Trocknen, besonders in Hautfalten.

Bei Inkontinenz: eine möglichst schonende Intimhygiene, ggf. mit speziellen Reinigungstüchern oder Waschhandschuhen, die für empfindliche Haut geeignet sind. Wichtig ist, Reibung zu minimieren.

Rückfettung und Feuchtigkeitspflege

Trockene Haut neigt zu Rissen und Mikroverletzungen. Eine geeignete Pflegecreme oder Lotion kann helfen, Elastizität und Barrierefunktion zu verbessern. Dabei sollte die Pflege zur Situation passen:

  • Bei sehr trockener Haut: rückfettende Lotionen oder Cremes in dünner Schicht.
  • Bei normaler Haut: leichte, nicht okklusive Pflege, um ein „Zuviel“ zu vermeiden.
  • In Hautfalten: eher zurückhaltend cremen, um Feuchtigkeit und Wärmestau zu reduzieren.

Die Hautpflege ersetzt jedoch keine Druckentlastung. Sie ist eine unterstützende Maßnahme, damit die Haut Belastungen besser standhält.

Hautschutz bei Feuchtigkeit und Reizung

Wenn die Haut regelmäßig Feuchtigkeit, Urin oder Stuhl ausgesetzt ist oder wenn bereits Rötungen auftreten, kann ein Hautschutz sinnvoll sein. Geeignet sind meist:

  • Barrierecremes (z. B. mit Zinkoxid oder anderen Schutzkomponenten) sparsam auftragen.
  • Hautschutzfilme (Spray oder Tupfer), die eine dünne Schutzschicht bilden, ohne stark zu fetten.

Wichtig ist, dass die Haut unter dem Schutz weiterhin beobachtet werden kann und dass Produkte miteinander kompatibel sind (z. B. mit Inkontinenzmaterial oder Haftsystemen). Bei Unsicherheit ist eine fachliche Beratung sinnvoll.

Alltagstipps für Angehörige und Pflegekräfte

Viele Dekubitusfälle lassen sich vermeiden, wenn im Alltag einige Grundprinzipien konsequent umgesetzt werden:

  • Täglicher Blick auf Risikostellen: besonders Fersen, Steiß, Hüften, Knöchel.
  • Keine Massage auf geröteten Stellen: Das kann geschädigtes Gewebe zusätzlich belasten.
  • Faltenfreie Unterlage: Laken glattziehen, Krümel im Bett entfernen, harte Nähte vermeiden.
  • Kleidung und Schuhe prüfen: Nichts darf drücken oder scheuern; Sockenbündchen können einschneiden.
  • Positionierung im Sitzen: Becken gerade, Rücken gut gestützt, Füße stabil; bei Bedarf Sitzkissen nutzen.
  • Schmerzen ernst nehmen: Unruhe, Grimassen oder Abwehr können Hinweise auf Druckschmerz sein, auch bei Demenz.

Dokumentation ist ebenfalls hilfreich: Wer betreut, sollte Veränderungen (Rötung, Temperatur, Hautdefekte) notieren, inklusive Zeitpunkt und getroffenen Maßnahmen. Das erleichtert die Beurteilung, ob sich der Zustand verbessert oder verschlechtert.

Häufige Fehler in der Dekubitusprophylaxe

Einige Missverständnisse halten sich hartnäckig. Zu den häufigen Problemen zählen:

  • „Die Matratze reicht aus“: Auch mit Hilfsmitteln sind Lagewechsel und Hautkontrollen nötig.
  • Zu seltene Entlastung im Sitzen: Sitzdekubitus wird oft unterschätzt, weil die Person „ja nicht liegt“.
  • Reibung beim Umlagern: Ziehen statt gleiten – das fördert Scherkräfte.
  • Überpflegen: Zu viele Produkte, zu dicke Schichten, falsche Kombinationen können die Haut aufweichen oder reizen.
  • Warnzeichen werden abgewartet: Bei nicht wegdrückbarer Rötung ist sofortige Entlastung nötig, nicht erst „morgen“.

Fazit

Dekubitus ist eine ernstzunehmende, aber in vielen Fällen vermeidbare Pflegekomplikation. Die wirksamsten Strategien sind konsequente Druckentlastung, Bewegungsförderung und eine auf den Hautzustand abgestimmte Hautpflege mit guter Feuchtigkeitsorganisation. Wer erste Anzeichen wie nicht wegdrückbare Rötungen, Verhärtungen oder Temperaturveränderungen früh erkennt und sofort reagiert, kann häufig verhindern, dass aus einer beginnenden Schädigung eine tiefe Wunde wird. Gerade in der Betreuung älterer Menschen lohnt es sich, Dekubitusprophylaxe als festen Bestandteil des Alltags zu verstehen – mit klaren Routinen, passender Ausstattung und einem wachen Blick für die kleinen Veränderungen, die den großen Unterschied machen.

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